Welt Down Syndrom Tag

Seit Tagen denke ich über einen passenden Beitrag zum Weltdownsyndromtag nach, aber die Posteraktion, der Verlust meines Arbeitsgerätes (20 Jahre hat der Schreibtisch doch gehalten!)  und Streß im Job sind kein guter Boden für kreative Leistungen. Umso mehr freute ich mich, heute einen Beitrag einer Facebook Freundin zu lesen. Leider zeigt auch dieses Beispiel wie weit der Weg zur Inklusion und wie wichtig weiterhin Aufklärung nötig ist. Dies ist der Grund warum ich diese Seite betreibe -  das Down-Syndrom ist nicht erstrebenswert, aber noch lange keine Katastrophe... Lernt uns kennen und lieben! Vielen Dank Antje Reiferscheid für Deinen Beitrag:


Zum Nachdenken:

Bald ist Welt Down Syndrom Tag. Genauer am 21.3. Einigen Leuten werden vielleicht schon die Poster aufgefallen sein, die überall in Deutschland oder auch Österreich hängen. Warum diese Poster? 

Dazu folgende Begebenheit:

Neulich in der Krabbelgruppe. Eine Mutter erzählte von ihrer Schwangerschaft und dass sie große Ängste hatte, da die Nackenfalte ihres Kindes auffällig dick war und die Beine kurz. Außerdem war das Kind sowieso ziemlich ruhig und ein behindertes Kind käme für ihren Mann und sie überhaupt nicht in Frage. Das war ihnen schon vor der Schwangerschaft ganz klar. Ich hörte mir das an und schluckte. Ich fragte mich, warum sie mir das erzählte? Sie wusste von Emma. Sie wusste, dass ich ein behindertes Kind habe, eines mit genau dieser Behinderung vor der sie so große Angst hatte. 

Ihr Arzt schickte sie weiter zur Pränataldiagnostik und sie testeten alles, was man so testen kann. Die Tage bis zum Ergebnis der Proben waren für sie und ihrem Mann die schlimmsten Tage ihres Lebens. Als die Ergebnisse da waren, fiel ihnen ein Stein vom Herzen. Kind gesund, Eltern glücklich.

Klar, wer wäre nicht darüber glücklich ein gesundes Kind zu haben. Ich würde mal behaupten, dass sich alle werdenden Eltern ein gesundes Kind wünschen. Keine Frage. Da schließe ich mich mit ein. 

Aber warum erzählt sie mir die Geschichte und warum genau so, obwohl sie doch meine Geschichte kennt?

Naja, sie kennt meine Geschichte, aber sie kennt Emma nicht. Sie kennt die ganzen anderen Kinder auf den Plakaten nicht und sie kennt deren Eltern, deren Familien nicht. Und sie hat keine Sekunde darüber nachgedacht, wie es für eine Mutter mit Kind mit DS ist, wenn sie diese Geschichte genauso erzählt, wie sie sie erzählt hat. Ich hätte vielleicht was sagen können. Mein Mann findet sogar, dass ich was hätte sagen MÜSSEN. Nicht nur in meinem Interesse, sondern auch in Emmas und im Interesse aller Menschen mit Down Syndrom. Und mein Mann hat Recht. Aber in dem Moment konnte ich nichts sagen. Stattdessen bin ich nach Hause gefahren und habe geheult. Ich habe Freunden davon erzählt und konnte gar nicht aufhören zu heulen. 

Ich weiß, dass das Thema Abtreibung, Spätabtreibung behinderter Kinder, Pränataldiagnostik etc. heiß diskutiert wird und ich weiß, dass sich viele Menschen für eine Abtreibung entscheiden. Es sind sogar 95%. Wenn der Arzt bei einem ungeborenen Baby Down Syndrom diagnostiziert, bedeutet es für diese Baby in 95% der Fälle das Todesurteil. 

Nun, wie habe ich mich gefühlt, als diese Mutter erzählte? Im Grunde sagte sie mir, dass sie mein Kind (was ich über alles liebe) nicht haben möchte. Dass sie so ein Kind getötet hätte. Dass sie so ein Kind nicht lieben kann und dass sie sich offenbar nicht vorstellen kann, dass das Leben für dieses Kind und für sie als Eltern lebenswert sein kann.

Keine Mutter würde jemals auf die Idee kommen einer anderen Mutter ins Gesicht zu sagen, dass sie das Kind der anderen niemals bekommen hätte. Sie würde ihr niemals sagen, dass sie so ein Kind abgetrieben hätte (vllt weil es einfach ein "Arschlochkind" ist, oder sonst was) aber in unserem Fall kann man es sagen? Ich frage mich, was ist an meinem Kind falsch? Was ist für viele Menschen so abstoßend? Warum können sie sich überhaupt nicht vorstellen so ein Kind zu haben? 

Ich würde behaupten, dass ich die Antwort kenne:

Weil die meisten Menschen keinen Kontakt mit Menschen mit Down Syndrom haben, weil sie sich mit dem Thema nie ernsthaft auseinandergesetzt haben, weil sie Vorurteile haben, weil sie glauben, man müsste "Übermutter-/vater" sein um dem Kind gewachsen zu sein, weil sie sich das Leben mit einem gesunden Kind einfacher, angenehmer vorstellen. Sicherlich gibt es noch viele andere Gründe, die ich nicht aufgezählt habe. Aber das ist erstmal egal. 

Ich wünsche mir, dass die Menschen sensibilisiert werden. Die Worte dieser Frau waren verletzend und grausam. In manchen Momenten sollte man vielleicht besser erstmal gar nichts sagen. Ich wünsche mir, dass sich Menschen mit dem Thema beschäftigen, dass sie Menschen mit Down Syndrom kennenlernen, dass sie die Familien kennenlernen. Oft höre ich den Satz:" Deine Tochter hat Down Syndrom? Sieht man ihr gar nicht an?"

Ja wie soll sie denn aussehen? Schaut euch die ganzen Bilder dieser Menschen an! Sie sind alle Kinder ihrer Eltern, Geschwister ihrer Brüder und Schwestern. Sowie jeder andere Mensch auch. Wir sind keine Übermenschen die Unmögliches leisten. Wer sich informieren möchte, kann gerne und leicht Kontakt suchen und finden. Ich wünsche mir, dass Menschen mit Down Syndrom nicht systematisch gesucht und selektiert werden. Ich wünsche mir, dass es verboten wird ein Baby nur aufgrund des Down Syndroms abtreiben zu dürfen, vor allem die Abtreibung nach der 12. Woche.

Ja, Menschen mit DS werden anders behandelt als gesunde Menschen. Spätabtreibung von DS Babys sind erlaubt. Das ist ein Skandal. Warum schreit hier niemand auf? Warum hört man da so wenig bis keinen Protest? Hört zu, was Menschen mit DS selber über sich sagen. Neulich erzählte eine frischgebackene Mutter eines DS Babys, dass sie große Ängste vor der Zukunft habe. Daraufhin antwortete ihr eine junge Frau:" Habe keine Angst. Ich bin glücklich. Ich liebe mein Leben. Ich habe Down Syndrom."

Redet doch mit den Menschen direkt und nicht nur über sie. 

Ich wünsche mir, dass wir mit den Postern nicht nur Aufmerksamkeit erregen, sondern auch Ängste nehmen. Wer kann das besser als wir und Menschen mit DS. 

Image

Comments 1

  1. Wow, krass, was diese Mutter da geboten hat! Euer Kind ist trotz Behinderung liebenswert und ein wundervoller Teil dieser Welt! Es ist genauso ein Wunder, wie wir alle anderen auch. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als der Rest der Menschheit ohne Trisomie 21. Wieso sage ich das? Weil ich immer wieder beobachte, dass Menschen mit Trisomie 21 so herzlich und liebevoll sind, da sind sie uns um Welten voraus. Jeder „normale“ kann sich da eine Scheibe davon abschneiden!
    Aber etwas möchte ich noch sagen: Es hat, meiner Meinung nach, einen Grund, wieso genau dieses Kind bei euch gelandet ist und nicht bei der anderen, ignoranten Dame… Und so lange ihr euer Kind über alles liebt, wird seine Welt in Ordnung sein. Die andere Dame ist unwichtig. Wieso? Auch Menschen ohne Behinderung werden nicht von jedem geliebt. Ich würde mir an ihrer Stelle keinen Kopf über solch ignorante Menschen machen, sondern mich an meinem Glück mit diesem wundervollen, perfekten Kind erfreuen.
    Alles Liebe euch
    Shirin

Kommentar verfassen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.